Weblinks  

   

Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt, die Kunst ihre Seele.

Details

Wenn wir uns diese Worte des Schriftstellers Maxim Gorki zu Herzen nehmen, müssen wir bemerken, dass es aktuell schlecht um die Seele unserer Welt steht. In großem Maßstab produziert die kapitalistische Kulturindustrie Inhaltsleeres, geradezu Verdummendes und transportiert vorallem eines: bürgerlich-kapitalistische Ideologie. Auch wenn es Ausnahmen gibt, geht sie in der Regel weit daran vorbei Solidarität, Lebensbejahendes und Kämpferisches zu verbreiten oder nur die Lebensrealität der Arbeiterklasse zu thematisieren. Popmusik dreht sich bspw. häufig um Geld, bürgerliche Vorstellungen von Amourösität und andere Banalitäten. Medienunternehmen wie Netflix überfluten uns mit einer Fülle mal mehr mal weniger schlechter Serien und Filme, aus denen sich die noch etwas geistreicheren Kulturerzeugnisse rausgepickt werden können – so man sich denn von den in endloser Schleife aufploppenden, sinnlosen Kurzaufnahmen von süßen Tieren, aufgepumpten Fitness-Models oder fetten Autos in den Sozialen Medien losreißen kann. Anregendes, Kreatives und wirklich Schöpferisches vermisst man hier nicht selten oder findet es wenn dann in Nischen. Gleichzeitig gibt es sie noch – die geschichtsträchtigen Gemälde der großen Künstler, Theateraufführungen selbst sozialistischer Autoren, namhafte Chöre und Orchester. Ein Zugang dazu bleibt jedoch meistens den besser Betuchten, mindestens Akademikern vorbehalten – sei es durch überteuerte Eintrittspreise oder aber die frühe Förderung eines Mindestmaßes an Kunst-, Kultur- und Geschichtsverständnis. Gorki schreibt bei all dem also nicht zu Unrecht: „Die Geschichte der Bourgeoisie ist die Geschichte ihrer geistigen Verarmung.“

Als Kommunisten mag uns das in erster Linie abstoßen und empören – verwunderlich ist es jedoch nicht. So wird doch der Kulturbegriff im sehr spannenden Werk „Kultur in unserer Zeit“ aus marxistisch-leninistischer Sicht folgendermaßen definiert:

[Er] faßt die materiellen und geistigen Erzeugnisse menschlichen Schöpfertums als Äußerung des Entwicklungsgrades der praktischen, intellektuellen, sittlichen und ästhetischen Fähigkeiten und Bedürfnisse […], seine Bildung und Erziehung, die ideologische Widerspiegelung dieser Prozesse in den verschiedensten Formen des gesellschaftlichen Bewußtseins, die Formung des geistigen Lebens, der Lebensgewohnheiten und Lebensformen und auch die erreichte Entwicklungsstufe des Zusammenwirkens […] der zielgerichteten Tätigkeit des Menschen mit den objektiven Gesetzen der Natur und der Gesellschaft in seiner Praxis.“

Die Erzeugnisse der kapitalistischen Kulturindustrie können also nur Charakteristika des faulenden Kapitalismus mit all seinen Degenerationen in sich tragen und der Bourgeoisie beim Erhalt ihrer Herrschaft dienen. So muss uns bewusst sein, dass wir auch auf dieser Ebene den politische Kampf auszufechten haben - den Kampf um den Erhalt und die Entwicklung einer fortschrittlichen proletarischen Kultur.

Zahlreiche Schriftsteller, Liedermacher und Künstler aus der Vergangenheit und nischenhaft auch heute zeigen den qualitativen Unterschied klassenbewusster, sozialistischer Kultur – seien es die Schriften und Stücke von Brecht, Hacks, Schernikau, Seghers oder die Bilder Willi Sittes und Kunstwerke von Josep Renau. Ihre Werke tragen den Geist des Klassenkampfes und sie machten so wie viele weitere ihren beeindruckenden Beitrag als Ausdruck des gesellschaftlichen Bewusstseins und seiner Formung im Sinne der Arbeiterklasse. Sie waren dabei nicht nur Spiegel der aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen, sondern wiesen auch schöpferisch in die Zukunft und stellten ihre Kunst in den Dienst des Aufbaus einer gerechten Gesellschaft. So können wir bspw. bei Willi Sittes Werken eine Entwicklung seiner Werke von Zeiten des Zweiten Weltkrieges feststellen, in denen vorallem die Gräueltaten der Nazis dargestellt wurden, über die Visionen zum Aufbau des Sozialismus und der Rolle der Arbeiter darin bis hin zum Niedergang der DDR und den zu erwartenden Rückschritten der Gesellschaft.

Herausragendes Beispiel für die schöpferische Kraft von mit der Arbeiterklasse verbundener Kunst ist auch die Russische Avantgarde. Die Kunstwerke dieser von 1910 bis 1934 dauernden Periode gewannen insbesondere nach der Oktoberrevolution an Bedeutung und wurden stark gefördert. Sie gelten bis heute als Meilensteine der modernen Kunstgeschichte. Mit der Revolution eröffnete sich vorallem die Möglichkeit seine Kunst der Allgemeinheit vorzustellen und seinen Beitrag zur revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft durch verschiedene agitative Ausdrucksformen zu machen. Das wiederum führte zu bemerkenswerten künstlerischen Entwicklungen und Verbindungen der Kunst mit dem Alltag der Arbeiter. Begleitet war diese Zeit von Organisierungsprozessen des Sowjet-Staates und somit auch der Kunstschaffenden sowie intensiven Diskussionen um den richtigen Weg sozialistischer Kunst. Eine wichtige Rolle spielte an dieser Stelle bspw. der ZK-Beschluss von 1925 zur Mobilisierung aller progressiven Kräfte für eine volksverbundene Kunst oder 1934 der All-Unions-Kongress, der die Voraussetzungen für eine Entwicklung hin zum Sozialistischen Realismus darstellte.

Auch in der DDR wurde der Kulturfrage als Teil des Klassenkampfs und im Aufbau des Sozialismus eine hohe Bedeutung beigemessen. So wurde nicht nur klassenbewusste Kultur gefördert, sondern auch versucht die Arbeiterinnen und Arbeiter zunehmend selbst als Kulturschaffende einzubinden und zu entwickeln. Insbesondere im Zuge der Entwicklung des „Bitterfelder Wegs“ auf den beiden namensgebenden Konferenzen (1959 und 1964) wurde die Frage einer sozialistischen Kulturpolitik erörtert. Sie sollte den wachsenden künstlerisch-ästhetischen Bedürfnissen der Werktätigen Rechnung tragen und Kunst und Kultur im Sinne der sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung entfalten. Gleichzeitig sollte die Verbindung von professionellen Kunst- und Kulturschaffenden zur Arbeiterklasse gestärkt werden und sie stärker in die Ausbildung von Laienkünstlern einbeziehen. In Folge entstanden bspw. unter der Losung „Greif zur Feder, Kumpel!“ die sogenannten Zirkel schreibender Arbeiter - Ganz im Sinne Gorkis, dessen Auffassung zur Aufgabe der Kultur folgende war: „Die Aufgabe der Kultur ist es, im Menschen das soziale Gewissen und die soziale Moral zu entwickeln und zu stärken und alle Fähigkeiten und Talente des einzelnen zu organisieren.“

Einmal eingetaucht in diese Thematik, sehen wir also viel Spannendes, Schönes und Bereicherndes, was uns neben dem verblödenden „Kultur“Programm der heutigen Zeit in der Kulturgeschichte der Arbeiterbewegung erwartet. Wir wollen daher jeden und jede dazu aufrufen, sich aktiv mit den Werken klassenbewusster Kunstschaffender zu beschäftigen, die spannenden Kontroversen um eine sozialistische Kulturpolitik zu ergründen und den Kampf um eine proletarische Kultur aufzunehmen.

In Leipzig laden wir daher einmal im Monat zu einem Kulturabend ein, bei dem wir Literatur, Film und Musik genießen und in lockerer Runde gemeinsam lachen, diskutieren und zum Nachdenken anregen wollen - Der Termin dafür ist in der Regel der erste Donnerstag im Monat. Meldet euch bei der RO Leipzig-Umland oder schaut auf unserer Internetseite vorbei, falls ihr genaueres erfahren wollt!

 

Drucken
   
KPD - Aktuell KPD - Die Rote Fahne KPD - Landesorganisationen (Regional) KPD - Topmeldungen
   
© Kommunistische Partei Deutschlands