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Kampf der Systeme

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Im Folgenden veröffentlichen wir einen Artikel von Christine Melcher, Mitglied der KPD und Mitglied im Vorstand des Kuratoriums der "Gedenkstätte Ernst Thälmann". Es handelt sich hierbei um eine Aufstellung der verschiedenen Impfstoffvariationen und ihrer Wirkungsweise, sowie über ihren Einsatz in der Welt. 

 

Kampf der Systeme - Impfstoffentwicklung im Dienste der Menschheit?

Weltweit werden verschiedene Impfstoffe gegen Covid 19 untersucht und entwickelt, die auf unterschiedlichen Ansätzen beruhen

  • Genbasierte Impfstoffe (RNA-Impfstoffe und DNA-Impfstoffe)

  • Vectorimpfstoffe

  • Protein-Untereinheiten-Impfstoffe (Subunit-Impfstoffe)

  • Abgeschwächte Lebendimpfstoffe und inaktivierte Impfstoffe

Obwohl es bei den genbasierten Impfstoffen noch keinen zugelassenen Vertreter gibt, bieten RNA- und DNA-Impfstoffe in einer Pandemiesituation einen großen Vorteil: Sie können im Labor schnell hergestellt werden, da für beide keine Bioreaktor-Kulturtechniken erforderlich sind.

 

Genbasierte Impfstoffe

Genbasierte Impfstoffe (auch Nucleinsäure-Impfstoffe genannt) verwenden genetisches Material, entweder RNA oder DNA, um den Zellen die Anweisungen zur Herstellung eines Antigens zu geben. Im Fall von Covid-19 ist dies normalerweise das virale Spike-Protein. Sobald das genetische Material in menschliche Zellen gelangt, verwendet es die Proteinfabriken der Zellen, um das Antigen herzustellen, das eine Immunantwort auslöst.

Vorteil: einfach herzustellen und dadurch billiger

Immunreaktion sollte stark sein, da Antigen in großen Mengen produziert wird

Nachteil: bisher noch keine DNA- oder RNA-Impfstoffe für den menschlichen Gebrauch zugelassen- Langzeitdaten fehlen

Lagerung von RNA-Impfstoffen bei extrem kalten Temperaturen (minus 70°)

 

RNA-Impfstoffe

RNA-Impfstoffe (bspw. BNT162 [BioNTech/Fosum/Pfizer] und mRNA-1273 [Moderna/NIAID]) bestehen in der Regel aus einsträngiger Ribonukleinsäure (mRNA), welche die genetische Information für den Aufbau eines Proteins enthält. Im Zytosol wird diese dann von Ribosomen gebunden und die Bildung eines Polypeptids katalysiert. Weiterhin werden auch selbstreplizierende oder selbstamplifizierende RNA verwendet, z. B. bei BNT162.

Diese codieren sowohl für das entsprechende Antigen (hier Spike-Protein) als auch für Proteine, die die Replikation von RNA-Impfstoffen ermöglichen, sodass die Impfdosis reduziert werden kann.

saRNA-Impfstoffe stammen von Alphaviren.

RNA-basierte Impfstoffe gelten algemein als sehr sicher. Zur Herstellung von mRNA sind keine toxischen Chemikalien oder Zellkulturen erforderlich, die mit Viren kontaminiert sein könnten. Eine DNA-Insertion ist im Prinzip nicht möglich, da die mRNA nicht in die Nähe der DNA gelangt.

Sicherheitsbedenken umfassen mögliche lokale und systemische Entzündungen, die Stimulation von autoreaktiven Antikörpern und toxische Wirkungen nicht nativer Nukleotide und Komponenten des Abgabesystems, die Bildung von Ödemen sowie die Förderung der Blutgerinnung und Thrombenbildung.

Präklinische Studien mit RNA-Impfstoffen gegen SARS und MERS haben Bedenken hinsichtlich einer Verschlimmerung der Lungenerkrankung durch infektionsverstärkende Antikörper offengelegt.

 

Vektorimpfstoffe

Vektorimpfstoffe, wie bspw. AZD1222 (AstraZeneca/University of Oxford) oder Ad5-nCoV (CanSino Biological inc./ Beijing Institute of Biotechnology), unterscheiden sich von Nukleinsäureimpfstoffen darin, dass sie ein Trägervirus verwenden, welches das Genmaterial für ein Impfantigen enthält. Durch den Vektor, bspw. das modifizierte Vaccina-Virus Ankara (MVA), das Adenovirus Serotyp 26 oder das gentechnisch hergestellte vesikuläre Stomatitis-Virus (rVSV), wird so gentechnisches Material in die Körperzellen eingeschleust.

Das Virus agiert als Abgabesystem. Wie bei Nuclein-Impfstoffen wird der Körper angewiesen, das Antigen aus der Bauanleitung zu bilden und eine Immunantwort auszulösen.

Man unterscheidet virale Vektoren:

  • Replizierende- produzieren auch neue Viruspartikel in den Zellen, die sie infizieren und infizieren dann neue Zellen, die auch das Impfstoffantigen bilden.

  • Nicht-replizierende Vectorimpfstoffe- können keine neuen Viruspartikel herstellen; sie produzieren nur das Impfstoffantigen

Auf der Grundlage des in der EU 2019 zugelassenen Vectorimpfstoffs gegen Ebola (Ervebo- rVSV-ZEBOV) wird ein COVID-19-Impfstoff mit nicht-replizierenden Vektoren entwickelt.

Adenovirus (Ad)-Vektoren haben sich in Tiermodellen als vielversprechend erwiesen und werden in klinischen Studien innerhalb der Krebstherapie bereits eingesetzt.

Traditionell werden virale Vectoren in Zellen gezüchtet, die an ein Substrat gebunden sind, und nicht in frei schwebenden Zellen, was in großem Maßstab schwierig ist.

Nachteil: schwierige Skalierbarkeit

Entwicklung von Suspensionszelllinien, mit denen in großen Bioreaktoren virale Vektoren gezüchtet werden können

Zusammenbau des Vectorimpfstoffs ist ein komplexer Prozess, der mehrere Schritte und Komponenten umfasst (erhöht das Kontaminierungsrisiko)

nach jedem Schritt umfangreiche Tests vonnöten- Kostenerhöhung

Eine Herausforderung dieses Impfstoffansatzes besteht darin, dass Menschen zuvor möglicherweise dem Virusvektor ausgesetzt waren und eine Immunantwort gegen diesen ausgelöst wird, wodurch die Wirksamkeit des Impfstoffs verringert werden kann. Eine solche "Anti-Vektor-Immunität" machr es schwierig, eine zweite Dosis des Impfstoffs zu verabreichen. Unter Umständen kann es zu einer verstärkten Infektion in geimpften Personen kommen. Da die genetischen Informationen für das erregerspezifische Antigen in das Genom von DNA-Viren, wie bspw. Adenoviren eingesetzt werden, können virale Intagrationsmechsnismen zur Aufnahme von DNA in den Zellkern führen.

 

Protein-Untereinheiten-Impfstoffe

Protein-Untereinheiten-Impfstoffe (Subunit-Impfstoffe) verwenden Teile des Erregers, häufig Proteinfragmente, um eine Immunantwort auszulösen. Dies minimiert das Risko von Nebenwirkungen, bedeutet aber auch, dass die Immunantwort schwächer sein kann. Aus diesem Grund benötigen sie häufig Adjuvantien, um die Immunantwort zu verstärken (Bsp Hepatits-B-Impfstoff).

Alle Untereinheiten werden unter Verwendung lebender Organismen, wie Bakterien und Hefen, hergestellt, für deren Wachstum Substrate und strenge Hygienevorschriften erforderlich sind.

Das macht die Herstellung teurer als chemisch synthetische Impfstoffe.

 

Abgeschwächte Lebendimpfstoffe und inaktivierte Impfstoffe

Viele zugelassene Impfstoffe enthalten Abgeschwächte Lebendimpfstoffe und inaktivierte Impfstoffe, um eine Immunantwort auszulösen. Sie enthalten entweder den gesamten Erreger oder nur einen Teil davon. Es gibt zwei Hauptansätze:

  • Abgeschwächte Lebendimpfstoffe verwendeneine geschwächte Form des Virus, die immer noch replizieren kann, ohne eine Krankheit zu verursachen.

  • Inaktivierte Impfstoffe (Totimpfstoffe), wie bspw. von Wuhan-Institute of Biological Products/Beijing Institute of Biological Products/Sinopharm oder Sinovac verwenden Viren, deren genetisches Material zerstört wurde, so dass sie nicht replizieren können, aber dennoch eine Immunantwort auslösen können.

Beide Typen verwenden gut etablierte Technologien. Lebendimpfstoffe können jedoch bei Menschen mit schwachem Immunsystem zu Krankheiten führen und erfordern häufig eine sorgfältige Kühllagerung.

Das Immunsystem reagiert wie bei jedem anderen Eindringling und mobilisiert eine Reihe von Abwehrmechanismen, einschließlich Killer-T-Zellen und Helfer-T-Zellen und Antikörper produzierende B-Zellen.

Diese Immunantwort setzt sich fort, bis das Virus aus dem Körper entfernt ist, was bedeutet, dass Gedächtniszellen gegen das Virus genügend Zeit haben, sich zu entwickeln.

Unterschiedliche Viren erfordern leicht unterschiedliche Produktionsprozesse:

  • das Influenzavirus wird in befruchteten Hühnereiern gezüchtet, die selbst aus speziellen sterilen Legeanlagen stammen müssen

  • Polio-Virus wird in Schalen von Zellen gezüchtet, die eine andere Handhabung erfordern

  • Impfstoffe auf Bakterienbasis werden in riesigen Bioreaktoren gezüchtet

Da inaktivierte Virusimpfstoffe zwar das krankheitsverursachende Virus oder Teile davon enthalten, aber das genetischen Material zerstört wurde, gelten sie als sicherer und stabiler als abgeschwächte Lebendimpfstoffe und können Menschen mit geschwächtem Immunsystem verabreicht werden. (1)

 

Schlagzeile und Paukenschlag: "Sputnik V" als erster Corona-Impfstoff registriert!

Sofort setzte der antirussische Reflex ein:

  • zu unsicher
  • Wirksamkeitsnachweis fehlt
  • Daten nicht zugänglich
  • Phase III- Studie kann es noch gar nicht geben usw. usf.
  • Der russische Impfstoff enthält eine nicht replikationsfähige Adenovirus-Variante, also ! "ein nicht vermehrungsfähiges harmloses Schnupfenvirus"! (2)

Bleiben wir sachlich.

Bei Sputnik V handelt es sich um einen Vectorimpfstoff, der im Gegensatz zu anderen entwickelten Impfstoffen, z.B. Ad26.COV2.S der Firma Johnson&Johnson sowie Ad5-nCoV von CanSino Biologics und AZD1222 der Kooperation der University of Oxford mit Astra Zeneca) nicht auf Basis von Affen-Adenoviren, sondern auf Basis von menschlichen Adenoviren gründet.

Entwickelt wurde der russische Impfstoff Gam-COVID-Vac Lyo vom staatlichen Gamaleya-Institut für Epidemologie und Mikrobiologie in Moskau.

Dieselbe Seite, 12 Zeilen weiter:

Der Impfstoff besteht aus zwei Komponenten:

  • Zum einen eine rAd26-Komponente, die einen rekombinanten Adenovirus-Vektor auf der Basis des menschlichen Adenovirus Typ 26 enthält, in denen das SARS-CoV-2-S-Protein-Gen integriert wurde.

  • Zum anderen eine rAd5-Komponente, die analog einen rekombananten Adenovirus-Vektor auf der Basis des menschlichen Adenovirus Typ 5 enthält, in den ebenfalls das SARS-CoV-2-S-Protein-Gen integriert wurde.

Registriert ist der Impfstoff als diese klassische Prime-Boost-Immunisierung. Es werden zwei Komponenten geimpft (Tag 1/Tag 21). Die Besonderheit dieses Regimes besteht darin, dass durch eine Kombination unterschiedlicher Immunigene eine additive oder synergistische Wirkung auf das Immunsystem erzielt werden kann, was im negativen Fall zu einer Überdeckung des SARS-CoV2-Protein führt.

Die Entwickler des Sputnik-Impfstoffs hätten sehr bewusst auf eine zweistufige Impfung mit zwei unterschiedlichen viralen Vektoren gesetzt, berichtete der stellvertretende Direktor des Zentrums für wissenschaftliche Arbeit des Gamaleya-Zentrums, Denis Logunov, bereits Ende Juli in einem Interview gegeüber dem Internetportal "Meduza". Der Grund hierfür seien Erfahrungen mit Vektorimpfstoffen gegen das MERS-Coronavirus und das Ebolavirus, die gezeigt haben, dass eine einmalige Impfung in manchen Bevölkerungsgruppen für einen Imunschutz nicht ausreiche.

Am Rande bemerkt: In einer klinischen Studie will der Pharma-Konzern Astra-Zeneca, der zusammen mit der Universität Oxford den Vectorimpfstoff ACD1222 entwickelt, testen, ob die Kombination seines Impfstoffs zusammen mit der Vektorvaczine Sputnik V des russischen Gamaleya-Instituts sicher und immunogen ist. (4)

Was folgert ein Mensch, dem sein Denkvermögen noch nicht ganz abhanden gekommen ist?

Die Behauptungen werden in ein und demselben Artikel, der nur aus zwei Seiten besteht, ad adsurdum geführt- man muss halt nur zuende lesen und nicht nur der aufreißerischen Überschrift Glauben schenken.

Keine Info? , siehe Interview mit Logunov im Juli 2020!

Und das Wichtigste:

Das staatliche Institut Gamaleya für Epidemologie f o r s c h t seit Jahrzehnten an der wirksamen Bekämpfung von Epidemien.

Wie dem Interview zu entnehmen ist, wird dort systematisch Grundlagenforschung betrieben.

Bis 1991 gab es ein solches Institut auch in Deutschland - allerdings in einem anderen...

Leider kann man das von den der auf Profit orientierten bzw. Forschungsgeldern abhängigen Universitäten nicht erwarten.

Bei der Entwicklung von COV-19-Impfstoffen handelt es sich größtenteils um Start-Up- Unternehmen- ca. 6 allein in der BRD. Es wird in mindestens 247 Impfprojekten geforscht (3)

- welch verschwendete Ressourcen!

Schlussabsatz in dem oben zitierten Artikel des Ärzteblattes (3):

Zudem werden am Universitätsklinikum Tübingen Pläne verfolgt, einen Vectorvirus-Impfstoff (mit Sednaviren) gegen Covid-19 zu entwickeln, der als Nasenspray verabreicht werden kann. Die Projektleiter rechnen aber mit mindestens vier Jahren Entwicklungszeit bis zu einer möglichen Zulassung; und das auch nur, wenn für das Projekt eine Finanzierung gefunden werden kann.

Da erübrigt sich doch jeder Kommentar!

Schaute man mal über den "Großen Teich"- nein, nicht in die USA- sondern nach Kuba, müsste man die eigene Bevölkerung nicht mit aktionistischen Lockdowns nerven.

Dort wurden nach dem ersten Auftreten von Corona am 11. März 2020 die Grenzen geschlossen und ganze Orte unter Quarantäne gestellt - Maskenpflicht- ist klar.

Auf langjähriger Erfahrung basierend wurden Patienten mit Interferon alfa 2-b behandelt, das sich bei der Ebola-Bekämpfung bewährt hat.

Kuba verfügt über viel Erfahrung im Bereich der Impfstoffentwicklung. 1991 konnte das Instituto Finlay de Vacunas (IFV) erstmals einen Impfstoff gegen Meningokokken vorstellen, mit demKinder vor der todbringenden Hirnhautentzüdung gerettet werden konnten.

Dort wurde der erste synthetische Impfstoff überhaupt entwickelt. Diese Erfahrung kommt Kuba derzeit bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen zugute: Soberana 1 und 2 sind in den Testphasen.

Neben den beiden Impfstoffen Soberana 1 und 2 entwickelt Kuba derzeit auch ein Nasensprayimpfstoff mit dem Namen "Mambisa". Dessen Ansatz, die Verabreichung intranasal zu vollziehen, ist weltweit einzigartig. Darüber hinaus befindet sich mit dem Impfstoff "Abdala" ein viertes kubanisches Vakzin in der Entwicklung

Abgesehen von den Impfstoffen wendet Kuba Eigenentwicklungen, wie das Medikament "Interferon-B", bei der Behandlung von Covid-19-Patienten an.

Die Wirksamkeit des Antikörperpräparates "Itolizumab" für die Bekämpfung der coronatypischen Symptome wird derzeit in Gebieten mit erhöhter Coronainzidenz, wie Brasilien, Mexiko und den USA, getestet.

 

Auch nicht neu für die Politik Kubas:

Nicht erst seit Corona orientieren sich die Anstrengungen der kubanischen Biotechnologie überwiegend an den Bedürfnissen der so genannten "Entwicklungsländer" (und nicht am Geldbeutel der Patienten).

So überrascht es nicht, dass die Panamerikanische Gesundheitsorganisation kürzlich ankündigte, den kubanischen "Soberana"-Impfstoff sofort nach seiner Zulassung in großen Mengen in den Ländern der Region verbreiten zu wollen. (5)

Fazit: Bei welcher Forschung und Entwicklung es um den menschlichen Fortschritt und die Gesundheit geht, wird in diesem Beitrag mehr als deutlich.

Fidel Castro sagte einmal: Solidarität bedeutet nicht zu geben, was man übrig hat - sie bedeutet zu teilen, was man hat!

Venceremos!

 

Quellennachweis:

(1) https://www.gelbe-liste.de/nachrichten/unterschiede-corona-impfstoffe

(2) https://www.pharmazeutische-zeitung.de/was-steckt-hinter dem russischen-impfstoff-119526/seite/2/

(3) https://www.aerztblatt.de/nachrichten

(4) https://www.bundesgesunheitsministerium.de/Fragen-zu-covid-19

(5) https://www.jungewelt.de/artikel/392429.kampf-gegen-corona-kuba-entwickelt-impfstoff-für-dritte-welt.html

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